KRISENBEWÄLTIGUNG

 

„Gott hilft uns nicht immer am Leiden vorbei,
Aber er hilft uns hindurch.“
Johann Albrecht Bengel

Wir müssen unendlich dankbar dafür sein, dass in der Corona-Epidemie unser demokratisch-gesellschaftlicher Staat weitgehend umsichtig und rasch reagiert hat. Auf allen Ebenen wird Verantwortung übernommen und werden Entscheidungen getroffen, um diese größte Herausforderung seit Ende des Zweiten Weltkrieges bestehen zu können.

Aber so wie ein Land Mechanismen zur Krisenbewältigung hat, braucht es auch der Mensch.

Wie bewältigen wir eine solche Krise?

Ich glaube fest daran, dass Gott stärker ist als jede Seuche und Krankheit. Gott hat Himmel und Erde geschaffen und er wird seine Geschöpfe nie dem Untergang überlassen. Die heilige Schrift erzählt auf vielen Seiten, wie bedrängte Menschen die Hilfe Gottes in ausweglosen Situationen erfahren haben. Und die Kirche hat in ihrer Geschichte immer die Erfahrung gemacht, dass der Herr des Lebens jedem beisteht, der mit Vertrauen, Gebet und Bitten zu ihm ruft.

Dann glaube ich unerschütterlich daran, dass die Antwort Gottes auf solches Leid das Kreuz Jesus ist. Denn es drängt sich die Frage auf, warum Gott das zulässt. Warum ein Virus so viel Böses über die Menschheit bringen darf. Auch wenn es im letzten darauf keine zufriedenstellend Antwort gibt, das Leiden und Sterben Christi ist die Reaktion Gottes. Gerade in Not und Elend spricht das Kreuz zu uns: Du bist nicht allein, du bist nicht verlassen und ich habe dich nicht vergessen, denn seit den Kreuzstunden des Sohnes Gottes ist der Schöpfer den Verlassenen, den Kranken, der Verzweifelten und Sterbenden nahe.

Ich glaube auch daran, dass es für jede Not einen Ausgang gibt. Eine Epidemie geht vorbei. Kranke werden gesund. Trauernde werden Trost finden. Eine Wirtschaft wird neu aufgebaut werden. Das Leben geht weiter und es kommen wieder bessere Tage. Das mag sich wie fromme Floskeln anhören, die nur vertrösten wollen. Aber diese Mut-Worte sind gedeckt und haben ihre Wertigkeit im Glauben an die Auferstehung der Toten. Wir dürfen an das Ende einer Notlage und den Ausgang aus dem Leiden glauben, weil Gott diese Tür für uns alle durch den Auferstanden Jesus Christus weit geöffnet hat. Vom Osterglauben her kommt die menschliche Hoffnung auf bessere Zeiten und einen guten Ausgang jeder noch so erschreckenden Lage. Der Glaube an das ewige Leben berechtigt uns zur größten Hoffnung.

In den letzten Wochen habe ich immer gehört, man setze alles daran Risikogruppen und alte Menschen zu schützen und sie nicht sterben lassen zu wollen. Alle ergriffenen Maßnahmen dienten dem Schutz des Lebens. Solche Aussagen verwundern mich. Seit Jahrzehnten werden ungeborene Kinder abgerieben, schwache und todkranke Menschen aus dem öffentlichen Leben in soziale Einrichtungen abgeschoben, Möglichkeiten zur Sterbehilfe durch Gesetze geschaffen. Ich glaube daran, dass wir die Würde des menschlichen Leben neu erkennen müssen und in allen Entwicklungsphasen schützen müssen. Aber ich glaube auch daran, dass über Sterben und Tod nicht der einzelne oder der Staat entscheiden kann. Werden und Vergehen, Erschaffung und Ende des Lebens gehören ganz der Allmacht und Barmherzigkeit Gottes. Dieser Glaube schenken uns wirklichen Respekt vor dem Leben und die Gelassenheit das Unabänderliche, das das Leben oft mit sich bringt, mit der Demut des Herzens annehmen zu können.

Kommen sie gut durch diese und andere Krisen.

Gottfried Grengel
Pfarrprovisor in St. Koloman, Bad Vigaun, Adnet und Krispl